Unterversorgung oder „Kaufkraftüberbuchung“?

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Rewe+Penny+Norma – Das Angebot im viel kleineren, benachbarten Löhnberg – Foto: © Thomas Klein

Vorwort: Es wurde zwar festgestellt, dass die Gemeinde Greifenstein 52% Unterversorgung im Lebensmittelbereich hat. Demgegenüber wird jedoch seit Kurzem von den Gegnern der Märkteansiedlung in Beilstein ein neuer Begriff  ins Spiel gebracht: „Kaufkraftüberbuchung“ (oder – wer meint, ausrechnen und darüber bestimmen zu können, wieviel Angebot für uns ausreicht)

Ein Blick auf unsere bedauernswerte Situation in Greifenstein und die deutlich besseren Gegebenheiten unserer Nachbarkommunen
von Thomas Klein

Mein Wortschatz wurde in der aktuellen Debatte um einen neuen Begriff erweitert: Kaufkraftüberbuchung!

Dieses Schlagwort fällt, wenn die zur Verfügung gestellte Fläche zum Verkauf von Lebensmitteln größer ist als es die Einwohnerzahl rechtfertigt.
Klingt sperrig, ist aber ganz simpel; es handelt sich hierbei im Grunde schlichtweg um das Gegenteil von Unterversorgung, also ein Überangebot.

Aber wer rechnet so etwas aus?

Die Regionalplanung des Regierungspräsidiums.

Dieser liegt die Absicht zugrunde, eine wohnortnahe und über mehrere Ortsteile verstreute Grundversorgung zu ermöglichen, dies soll eigentlich die Entstehung großflächiger Supermärkte „auf der grünen Wiese“ eindämmen.

Schauen wir uns die zahlenmäßige Situation unserer Gemeinde und die der Nachbarkommunen im Bezug auf die Grundversorgung mit Lebensmitteln einmal etwas genauer an:

Stadt Leun:

– ca. 5.700 Einwohner verteilt auf
– ca. 29 km² und
– 4 Ortsteile mit
– einem REWE und einem EDEKA in Leun, dem größten Ortsteil und
– einem NETTO in Biskirchen, dem zweitgrößten Ortsteil

Gemeinde Mengerskirchen:

– ca. 5.710 Einwohner mit Hauptwohnsitz verteilt auf
– ca. 31 km² und
– 5 Ortsteile mit
– einem REWE, einem NORMA und einem NAHKAUF in Mengerskirchen, dem größten Ortsteil und
– einem Bio-Lebensmittel-Laden mit regionalem Sortiment in Waldernbach, dem zweitgrößten Ortsteil

Gemeinde Löhnberg:

– ca. 4.411 Einwohner verteilt auf
– ca. 34 km² und
– 4 Ortsteile mit
– einem REWE, einem PENNY und einem NORMA in Löhnberg, dem größten Ortsteil

Im direkten Nachbarort Waldhausen, zugehörig der Stadt Weilburg, steht ebenfalls ein erst kürzlich gebauter, größerer REWE, und in Weilburg selbst befinden sich zusätzlich noch diverse großflächige Lebensmittelversorger diverser Vertriebsketten.

Gemeinde Driedorf:

– ca. 5.060 Einwohner mit Erstwohnsitz verteilt auf
– ca. 48 km² Fläche und
– 9 Ortsteile mit
– einem EDEKA und einem NETTO in Driedorf, dem größten Ortsteil und
– einem PENNY in Mademühlen, dem zweitgrößten Ortsteil

Und nun zu uns, der

Gemeinde Greifenstein. Wir haben:

– ca. 6.750 Einwohner mit Hauptwohnsitz verteilt auf
– ca. 68 km² Fläche und
– 10 Orsteile mit
– einem kleinen Geschäft in Greifenstein, dem sechstgrößten Ortsteil, das aus Altersgründen mittelfristig geschlossen wird sowie

– einem REWE-Markt in Holzhausen, dem drittgrößten Ortsteil.

Dieser Markt in Holzhausen wird von REWE aktuell als nicht mehr zeitgemäß angesehen, da sich das Vertriebskonzept in Bezug auf sogenannte Mitbewerber geändert hat.

REWE möchte in der Gemeinde Greifenstein die Kopplung an einen Discounter!

Anhand der oben aufgezeigten Tatsachen kann man zusammenfassend erkennen:

Vollsortimenter und Discounter sehen sich heute nicht mehr als Gegner, sondern suchen die räumliche Nähe, ja sogar die direkte Nachbarschaft zueinander; die Errichtung der sogenannten Koppelstandorte oder Kombilösung ist das derzeit favorisierte Marktkonzept.

Im Fall unserer Gemeinde schreit das förmlich nach der Ansiedlung eines ALDI, denn für diesen Anbieter ist unsere Region ein sogenannter „weißer Fleck“ auf der Landkarte.

EdekaUndAldi
In der Nachbarschaft: Edeka und Aldi in Kombination – „Koppelstandorte“ überall gewünscht, nur bei uns blockiert – Foto: © Verena Haas

Alle übrigen Discounter-Ketten haben sich in unseren Nachbargemeinden schon längst niedergelassen, sitzen dort fest im Sattel – und wir, die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Greifenstein, suchen diese Märkte auf und unterstützen dadurch die Kassen der umliegenden Kommunen durch die zu entrichtende Gewerbesteuer.
Währenddessen läuft bei uns die Finanzplanung wieder einmal aus dem Ruder, und die Verschuldung der Gemeinde steigt. Über kurz oder lang werden die Bürgerinnen und Bürger unter Kürzungen und Einsparungen kommunaler Leistungen bei gleichzeitiger Anhebung der Gebühren und Abgaben leiden müssen.
Das soll nach der Auffassung der Gemeindevertretung oder vielmehr nach dem mehrheitlichen Willen der SPD auch weiterhin so bleiben, und man schickt den Begriff „Kaufkraftüberbuchung“ ins Rennen.

Wenn man sich die oben angeführten Zahlen einmal genauer anschaut, wird man feststellen, dass die Kommune mit

– der größten Fläche und
– den meisten Ortsteilen sowie
– der höchsten Einwohnerzahl

im sachlichen Vergleich der schlechtesten Situation in Bezug auf die Grundversorgung ausgesetzt ist!

Von „Kaufkraftüberbuchung“ durch die Errichtung zweier zusätzlicher Marktflächen kann doch da nicht ernsthaft gesprochen werden, oder?

Kann es sein, dass die Regionalplanung des Regierungspräsidiums an unsere Gemeinde andere Maßstäbe anlegt als an die Nachbarkommunen?

Wenn man sich die Zahlen anschaut, kommt es einem so vor.

Wollen wir die bestehende Unterversorgung weiterhin akzeptieren?

Oder sollten wir nicht endlich wach werden und erkennen, dass man uns mit fadenscheinigen Argumenten und gefährlich klingenden Worten an der Nase herum führt?

Lassen wir uns also nicht weiterhin von uneinsichtigen Gemeindevertretern in eine Richtung drängen, die wir nicht befürworten können, sondern im Rahmen des kommenden Bürgerentscheides für den Koppelstandort in Beilstein entscheiden.
Alle anderen Kommunen haben ihre Versorgungsstellen bereits an den sinnvollen Standorten errichtet und genießen die Vorteile dieser Entscheidungen; wir können das auch!

Stimmen Sie beim kommenden Bürgerentscheid mit „JA“ und bringen Sie die Entwicklung unserer Gemeinde mit voran. Sorgen Sie mit Ihrem „JA“ für eine Steigerung der Attraktivität und Lebensqualität für alle Menschen in unserer Gemeinde.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

2 Kommentare:

  1. Ja, die Fakten sprechen eine klare Sprache. Doch leider möchte man diese nicht nicht zur Kenntnis nehmen und setzt statt dessen weiter auf Desinformation und Eskalation. Hier werden wider besseres Wissen Ängste und Emotionen in der Bevölkerung geschürt um private und Parteiiteressen zu protegieren. Das ist unehrlich und dient weder den Menschen noch den Bedürfnissen einer der größten Flächengemeinden des Kreises. Diese Politik wird die Attraktivität in dieser Gemeinde zu wohnen weiter herabsetzen und die Lebensqualität weiter sinken lassen. Doch diese fatale Entwicklung unser Gemeinde wird langfristig auf die Verursacher dieser Situation zurück fallen zumal es die gleiche Fraktion ist die schon Ende der neunziger Jahre verhinderte das der jetzige Markt nicht an dem vorgesehenen Standort unterhalb des Sportplatzes gebaut werden durfte. Auch damals wurde die Bevölkerung, genau wie heute, für private und Parteiinteressen instrumentalisiert. Dieses Verhalten der SPD Fraktion hat den Niedergang, einer an den Bedürfnissen der Bürger vorbei agierenden Politik eingeläutet. Und es besteht die berechtigte Hoffnung auf eine Änderung der politischen Verhältnisse durch die Beteiligung engagierter Bürger.

  2. In die aktuelle Diskussion will ich nicht eingreifen. Ich beobachte aber schon eine Weile die Entwicklung in Greifenstein. Da gibt es das Ulmtal, mit einem starken Trend nach Leun oder in das Lahntal. Der übrige Teil tendiert eher in Richtung Herborn. Gemeinde- oder Verwaltungsgrenzen können diese Trends nicht stoppen. Ein zentraler Ort mit einem breiten Infrastrukturangebot, über Schulen, medizinische Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, etc. ist nach meiner Einschätzung zu wenig ausgebildet. Mit Parlamentsabstimmungen oder Plebisziten ist das auch nicht erreichbar, weil dadurch die Polarisierung verstärkt wird. Was ist zu tun? Ein moderierter Dialog aller beteiligten Orte mit der Frage: Wo geht die künftige Reise hin? Leun? Herborn? Oder gelingt es, ein ausstrahlungsstarkes Zentrum zu entwickeln?

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