Sieben Fragen an Marion Sander

Interview mit der Greifensteiner Bürgermeisterin zu aktuellen Themen der Gemeinde

Bürgermeisterin Marion Sander (parteilos)
Bürgermeisterin Marion Sander (parteilos)

In einem Interview, das für die ULfG Hans-Udo Sattler und Hans-Jürgen Philipps mit Marion Sander im Novmeber 2020 führten, nahm unsere parteilose Bürgermeisterin Stellung zu aktuellen Fragen in der Gemeinde Greifenstein:

 

Welches sind für Sie die größten und dringlichsten Herausforderungen -auch jenseits der Finanzen?

Wir müssen für unsere Bürgerinnen und Bürger die Infrastruktur weiterentwickeln, um Greifenstein als attraktiven Wohnort auf Dauer zu erhalten. Dazu gehört unter anderem die ärztliche Versorgung, die Kindergärten, die Grundschulen, die Nahversorgung, Angebote für Senioren und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Die Erschließung neuer Baugebiete, die Optimierung der Forstwirtschaft, die Weiterentwicklung des Tourismus und Ansiedlung neuer Betriebe sind weitere Schwerpunkte.

Die Herausforderungen des demografischen Wandels verlangen zahlreiche Vorbereitungen bis zum Jahr 2030. Welche Schritte hin zu diesem zeitlichen Ziel würden Sie beschreiten?

Die künftigen Projekte müssen sorgfältig geplant werden. Wichtig ist, dass die bereits bestehenden Angebote wie Grundschulen und Kindergärten auf hohem Niveau erhalten bleiben. Es müssen Überlegungen angestellt werden, was die Gemeinde tun kann, um die ärztliche Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten. Der Nahverkehr „Stichwort Bürgerbus“ muss gerade für die Älteren helfen mobil zu bleiben. Die aktuell zu beobachtender Bereitschaft jüngerer Menschen wieder aufs Land zu ziehen, muss durch ein attraktives Angebot an Bauplätzen oder finanzielle Anreize beim Kauf alter Häuser unterstützt werden. Die touristischen Angebote müssen weiterentwickelt werden, was gleichzeitig auch unseren Einwohnern zugutekommt. Ich möchte Greifenstein zukunftsfähig machen und die stetige Abwanderung stoppen. Das ist meine Vision für die Zukunft.

Die Haushaltslage der Gemeinde ist angespannt. Wo sehen sie dennoch Gestaltungsspielräume?

Wir haben eine Ulmtalsperre, wir haben einen Waldhof, wir haben ein Outdoorcenter, wir haben eine Westchemie, wir haben viele kleine Betriebe, wir haben einen attraktiven Radweg, wir haben eine Burg Greifenstein, wir haben Steinbrüche, wir haben erneuerbare Energien und wir haben einen attraktiven Wald und eine große Fläche und vieles mehr.

Unser Gestaltungsspielraum liegt in der Weiterentwicklung und Optimierung dieses Potenzials, das ist Aufgabe und Gestaltungsspielraum genug. Die Gemeinde ist hier unterstützender Dienstleister, der nicht bremsen, sondern mit den gegebenen Möglichkeiten beschleunigen will und für Neues offen ist.

Die mittelständische Wirtschaft, Steuern und Abgaben sind finanzielle Standbeine der Gemeinde. Welche Wirtschaftszweige könnte die Gemeinde noch aktivieren ?

Ein wichtiges Thema ist der Tourismus. Wir arbeiten zurzeit an einem runden Tisch Tourismus. In diesem Bereich könnten auch neue Arbeitsplätze entstehen. Im Bereich der erneuerbaren Energien könnten neue Ideen umgesetzt werden. Denkbar wäre zum Beispiel ein Biomassekraftwerk mit Holz, denn dieser Rohstoff ist in der Gemeinde ausreichend vorhanden. Im Zusammenhang damit könnte man auch ein-mal über Fernwärme nachdenken. Mit dem schnellen Internet könnten auch Firmen aus diesem Spektrum angesiedelt werden. Dass dies geht zeigt das Beispiel Waldhof, wo sich bereits eine entsprechende Firma niedergelassen hat. Wir möchten das von Seiten der Verwaltung tatkräftig unterstützen. Alle sind aufgerufen Unternehmen und Personen zu motivieren sich in Greifenstein niederzulassen. 

Was wird aktuell für das Vereinsleben, die Jugend, die Senioren, Kinderbetreuung, Einkaufsmöglichkeiten, den Nahverkehr, Internet und Digitalisierung, Straßennetz und andere Infrastrukturmaßnahmen in unserer Gemeinde getan?

Die Frage beantwortet sich zum Teil aus den Antworten zu den anderen Fragen. Einige weitere Stichworte dazu sind die Dorferneuerung (unter anderem DGH Holzhausen, Dorfplatz Greifenstein), die personelle und sachliche Ausstattung unserer Kindergärten, unsere beiden Grundschulen, die sich dank der Sanierungsmaßnahmen des Kreises in gutem Zustand befinden, die Ausstattung der Feuerwehren mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus in Greifenstein und dem geplanten in Rodenberg, das Projekt Bürgerbus usw.. Die Vereine unterstützen wir im Rahmen der Förderrichtlinien und haben natürlich immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen. Durch die Jugendwerkstatt, die wir im letzten Jahr mit Jugendlichen aus ganz Greifenstein durchgeführt haben, haben sich einige Projekte für die jungen Leute entwickelt, wie ein Multifunktionsspielfeld und ein Jugendtreff, beides an der Ulmtalhalle. In anderen Bereichen können wir nur Angebote machen. Leider können wir niemand zwingen zu uns zu kommen. Trotzdem werde ich versuchen hier potenzielle Investoren zu finden und anzusprechen und falls hier Interessen bestehen dies tatkräftig unterstützen.

 

Wo kann in der Gemeinde noch gebaut werden?

Aktuell haben wir noch folgende Bauplätze zur Verfügung: Gemeindeeigene Baugrundstücke gibt es aktuell noch 19. Diese befinden sich in Allendorf (2), in Odersberg (6), in Rodenberg (3) und in Rodenroth (6). In allen anderen Ortsteilen sind Bauwillige auf Baulücken in Privathand angewiesen. Die Liste zeigt, dass aktuell in einzelnen Ortsteilen nur noch begrenzt Bauplätze vorhanden sind. Durch die Dorferneuerung sind uns im Moment bei der Aufstellung neuer Baugebiete die Hände gebunden. Allerdings sollten aus meiner Sicht hier umgehend konkrete Vorüberlegungen angestellt werden, um nach Wegfall der durch die Dorferneuerung vorgegebenen Ausschusspflicht unverzüglich mit der Planung und Erschließung neuer Baugebiete beginnen zu können. Gleichzeitig appelliere ich an alle Eigentümer, bestehende Baulücken zu nutzen.

Frau Sander, wir bedanken uns für dieses ausführliche Interview.



 

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