ULfG-Antwort an „Fridays for Future“-Gruppe Wetzlar

Unsere Antworten zum“Offenen Brief“ zu Forderungen und Realitäten in der Kommunalpolitik

Foto: Pixabay

„Fridays for Future“, eine Bewegung junger Umweltschützer*innen, war vor der Corona-Pandemie in aller Munde. Zwar bleiben deren öffentliche Auftritte aufgrund der Beschränkungen aktuell hinter denen der Vergangenheit zurück, dennoch sind ihre Themen und Forderungen nicht minder aktuell.

In einem offenen Brief wandte sich Miriam Schüller, aktives Mitglied der Wetzlarer „Fridays for Future“-Gruppe, stellvertretend für die gesamte Organisation an heimische Politiker:innen , Parteien und Wählergemeinschaften, um deren Standpunkte zu den Forderungen der Klimaschützer:innen zu erfahren.

Hans Udo Sattler, Vorsitzender und Fraktionsvorsitzender der ULfG, beantwortete diesen Brief ebenfalls offen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre eMail. Wir als Unabhängige Liste haben den Klimaschutz, Biodiversität und Erschließung alternativer Energien für Greifenstein in unserem Programm. Wir sind in 2015 erstmals als Unabhängige angetreten und stellen mit 21,1% in der Greifensteiner Gemeindevertretung derzeit 6 Vertreter und 2 Vertreterinnen im Gemeindevorstand. (Eine Liste von Bündnis 90/Die Grünen gibt es in unserer Gemeinde nicht.)

Konkretes und Schritte, die wir bereits umgesetzt haben:
Spielräume für Energiegewinnung aus eigenen Ressourcen nutzen

Wir haben die Eigenbeförsterung unseres Waldes mit einem Antrag 2018 angestoßen. Wir sind eine der waldreichsten Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis.
Die daraus resultierenden Spielräume im Hinblick auf Energiegewinnung in Eigenregie werden wir konsequent weiterverfolgen. Außerdem möchten wir die Möglichkeiten der Energiegewinnung aus Wasserkraft an unserer Talsperre vorantreiben. Bisher gab es dort keine Turbine. Auch die Möglichkeiten, Windkraft ohne Beeinträchtigungen von Menschen und Natur weiter auszubauen, soll auf den Prüfstand. Wir haben bereits ausgewiesene Flächen, die ggf. besser ausgeschöpft werden könnten.

Infrastruktur für Elektromobilität auf dem Land ausbauen

Wir haben die Einrichtung von Schnellladesäulen für E-Autos und Ladestationen für E-Bikes 2019 per Antrag erreicht. Im Rahmen der Dorferneuerung wird es am neu gestalteten Dorfplatz in Greifenstein erste Installationen geben. Am sehr beliebten Ulmtal Rad- und Wanderweg wird es voraussichtlich E-Bike-Lademöglichkeiten geben.

Greifenstein ist „Klimakommune“. Das ist eine Absichtserklärung und ein Versprechen. Der Titel muss nach unserer Auffassung mit Inhalt gefüllt werden. Es sollte z.B. durch obige Ansätze auch weitgehend mit Taten der damit verbundenen Selbstverpflichtung nachgekommen werden.

Biodiversitätsstrategie für Greifenstein erstellen

Wir sehen auch die Notwendigkeit, neben den weitgehend unkoordinierten Insel-Anstrengungen von zum Teil preisgekrönten Projekten eine Greifensteiner Biodiversitätsstrategie zu erstellen. Hierzu sollten alle Akteure an den Tisch: Von der Gemeindeverwaltung über Vereine und Verbände sollte unter Einbeziehung der Bürger ein konkretisierbares Konzept für eine koordinierte Biodiversitätsstrategie erstellt werden. Dazu braucht es professionelle Moderation und aufgrund der Haushaltslage hoffen wir hierbei Fördermittel erschließen zu können.

Hindernisse:
Die Gemeinde hat aufgrund eines viel zu geringen Haushaltsbudgets keine Fachleute im Haus. In anderen, besser ausgestatteten Gemeinden gibt es Umweltberater, ggf. auch einen Biologen. Dafür gibt es in Greifenstein leider keine Fachkompetenzen. Es stehen auch keine finanziellen Mittel zur Verfügung, jemanden weiterzubilden oder freizustellen. Was die ehrenamtliche Beteiligung betrifft, so gibt es in Greifenstein seitens der Parteien gerne „Forderungen“ auf dem Papier, aber Umsetzungen werden der Gemeindeverwaltung überlassen, die damit personell und finanziell völlig überfordert ist.

Erfolgsstrategien:
Wir als Unabhängige Liste für Greifenstein haben bereits -wie oben beschrieben- erfolgreich Schritte eingeleitet. Wir wollen weiter daran arbeiten, dass sich unsere Landgemeinde aktiv um Zukunftsprojekte bemüht und hierfür durch die bessere Nutzung der eigenen Ressourcen – und hoffentlich guten Förderungen – voranschreitet. Gerade Greifenstein mit seiner geringen Bevölkerungsdichte und großartigen Natur auf 65 km² Fläche wäre dafür prädestiniert. Zusammen mit einem Konzept für ökologischen Naherholungstourismus könnte dies sogar ein sehr erfolgversprechender Weg werden.
Dafür werden wir uns in der kommenden Wahlperiode um Mehrheiten bemühen.

Gleichzeitig hoffen wir, dass gerade junge Wähler ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche politischen Gruppierungen solche Wege voraussichtlich nicht priorisieren werden, um es vorsichtig zu formulieren.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Angaben dienen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Udo Sattler (Vorsitzender)

Unser Team:
http://ulfgreifenstein.de/wp-content/uploads/2021/02/Greifensteiner_Depesche_02-21.pdf



 

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