Bedenkenträger und sonstige „Miesepeter“

Das ist sicher jedem schon mal passiert; man hat eine Idee oder einen Vorschlag, und nachdem man vorgestellt und erläutert hat, sind sie da, die ewigen Bedenkenträger, notorische Besserwisser und Kleinkrämer, die über alles und jeden meckern und jede Idee als undurchführbar oder zu teuer ablehnen.

Eines kann man dem Greifensteiner- Gemeindeparlament wahrlich nicht nachsagen: Sie ist keine Ansammlung von Ja-Sagern. Besonders bekannt für ihre Kritikfreudigkeit ist jedoch die FDP und CDU.

Am häufigsten kommt das „ja, aber…“ aus dieser Ecke. Doch auch die SPD bewegte sich in den vergangenen Jahren manchmal scharf an der Grenze zur Blockade.

Jede Kleinigkeit wird hinterfragt, angezweifelt und zur Diskussion gestellt, was häufig dazu führt, dass Fortschritt und Veränderungen verlangsamt, wenn nicht gar zunichte gemacht werden. Bedenkenträgern fällt es außerdem enorm schwer, über ihren eigenen Schatten zu springen. Sie können einen Einwand nur schwer für sich behalten, was gerade in größeren Gruppen oftmals zu Problemen führt, da sich zwangsläufig verschiedene Fronten bilden. Bedenkenträger sehen überall Probleme und Gefahren, selbst wenn es dazu gar keinen Grund gibt.

Doch sollte man zugutehalten, niemand ist vollkommen frei von Bedenken. Sorgen und Zweifel gehören nun mal zum Alltag und gerade vor großen und wichtigen Entscheidungen wird fast jeder mit seinen Bedenken konfrontiert. Das macht aber nicht jeden gleich zum ausgeprägten Bedenkenträger, sondern zeugt vielmehr von der Wichtigkeit einzelner Entscheidungen und dem Wunsch, den eigenen Zielen und Wünschen entsprechend bestmöglich gerecht zu werden.

Das eigentliche Problem sind jedoch die sogenannten Berufsbedenkenträger, denn diese Spezies ist es, die ihre Mitmenschen das Leben schwer macht und um jeden Preis im Fokus des Geschehens stehen will. Ohne dabei zu reflektieren, dass sie mit ihrer Art zum Teil peinlich und langatmig ihr Umfeld nerven, ohne in der Sache selbst voranzukommen. Solche Menschen meinen es meist nicht persönlich, sondern es liegt einfach in ihrem Charakter, ihre Meinung bei jeder noch so unbedeutenden Angelegenheit beisteuern zu müssen.

Wir möchten motivieren statt frustrieren.

Wir wollen uns der Verantwortung stellen und versuchen, neue Impulse zu geben. Mittlerweile sitzt der Frust ziemlich tief bei vielen Gemeinderatsmitgliedern. „Ehrlich gesagt: Es macht nicht mehr viel Spaß.“ Das Klein-Klein in den Gremien frustriert. Bereits genehmigte Projekte werden in Fragegestellt und durch Formalismus und mit teils unwahren Argumenten in Ihrer Ausführung gebremst oder gar verhindert. Dies stellt Bürger, Feuerwehren und Verwaltung vor große Probleme. Unter solchen Voraussetzungen kann keine Verwaltung vernünftig arbeiten.

Diese Art von Politik kann man auch den Mitbürgern nicht vermitteln. Für die Außendarstellung unserer Gemeinde ist das schlichtweg eine Katastrophe.

Wir möchten, das einmal gefasste Beschlüsse schnell und der Sache angemessen umgesetzt werden und nicht durch neue Diskussionen verhindert oder unnütz auf die lange Bank geschoben werden.
Wir möchten, dass die Menschen sich darauf verlassen können, das was heute gesagt wird auch morgen noch gilt.

So darf es nicht weitergehen – weil in der Gemeinde nichts weitergeht. Viele wichtige Projekte kommen im Moment nur schleppend voran.

Die Politik ist das Paradies zungenfertiger Schwätzer.

George Bernard Shaw

irischer Dramatiker, Politiker, Satiriker, Musikkritiker und Pazifist; Nobelpreisträger 1925

Kartellamt verbietet Holzvermarktung durch Hessen-Forst

 

Aufwand und Ertrag stehen im Missverhältnis

Greifenstein, eine der größten Flächengemeinden im Kreis und mit großem Waldbestand erzielt bei der derzeitigen Beförsterung und Vermarktung durch Hessen-Forst nur marginale Ergebnisse. Der Aufwand, welcher betrieben wird steht in keinem guten Verhältnis zum Ertrag von ca. 50.000 € pro Jahr. Das stößt bei vielen Bürgern aber auch bei Nachbargemeinden auf Unverständnis.

 

Ursachen sind vielfältig

Der Ruf nach den Ursachen dieses Ungleichgewichtes wird zur Zeit auch in unserer Gemeinde diskutiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig und sicher nicht mit einem Satz zu beantworten. Deshalb ist es wichtig eine genaue Analyse des Sachverhaltes anzustrengen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Fakt ist jedoch, dass aus den Erträgen, der „Overhead“, – also die Verwaltungskosten für Hessenforst bezahlt werden müssen. Diese nicht unerheblichen Belastungen führen trotz großer Rundholznachfrage in der Vergangenheit dazu, dass der Erlös kontinuierlich sinkt.

Vor dem Hintergrund einer angekündigten Erhöhung der Beförsterungskosten von 4,2% pro Jahr wird es nunmehr eine Frage der Zeit sein, bis die Ergebnissituation ins Negative umschlägt. Und, man mag es kaum glauben, möglicherweise darf die Gemeinde für die Beförsterung und Vertrieb künftig noch draufzahlen.

 

Städte und Gemeinden suchen nach Alternativen

Viele Städte und Gemeinden sind nicht mehr bereit das „Sorglospaket“ durch Hessenforst unter diesen Voraussetzungen zu akzeptieren. Sie suchen nach Alternativen, um Kosten zu senken und die Ergebnisse langfristig wieder auf eine auskömmliche Basis zu stellen. Bei solchen Alternativen sollten nicht nur die Holzernte, sondern auch die Sicherstellung von Nachhaltigkeit, Naturschutz und –pflege mit eingerechnet werden. Auch weitere Aufgabenbereiche, wie Beförsterung,
Arbeitsplätze, Waldpädagogik u.a.m., gilt es dabei zu berücksichtigen.

Kartellamt untersagt Vermarktung

Das Bundeskartellamt hat der Landesforstverwaltung Hessenforst die gemeinsame Vermarktung von Nadelstammholzmengen aus dem Privat- und Kommunalwald sowie die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse über jeweils 100 Hektar Waldfläche zusammen mit Mengen aus dem Staatswald untersagt.
Für die Bewirtschaftung fast des gesamten Kommunalwaldes muss jetzt eine neue Basis geschaffen werden. Betroffene kommunale Forstbetriebe müssen nun nach eigenständigen Lösungen suchen und eigenständige Vermarktungsorganisationen aufbauen.

 

Verwaltung prüft Alternativen

Die ULfG hat zu diesem Thema einen Antrag ins Parlament eingebracht, mit dem Ziel, dass die Verwaltung Alternativen und Wege aufzeigt, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Erkennbar ist der mehrheitliche Wunsch in den Fraktionen, dass die Beförsterung durch einen gemeindlich bestellten Förster in unserer Gemeinde vertreten wird.

 

Spannende Diskussionen zu erwarten

Es dürfte noch spannende Diskussionen darüber geben, welches der im Raum stehenden Modelle für unsere Gemeinde das am besten geeignete ist. Nun, warten wir es mal ab, in diesem Sinne, wir halten Sie auf dem Laufenden.

Desinteressierte Gemeindevertreter: Knapp am Eklat vorbei!

Stell dir mal vor, es ist Gemeindevertreter Sitzung und die Hälfte der Vertreter bleibt einfach weg. So geschehen bei der Gemeindevertretersitzung Greifenstein, vom 29. Sept. 2015, die im Ortsteil Odersberg stattfand.

Nur knapp entging das Greifensteiner Parlament einem Eklat, das wegen mangelnder Teilnehmer beinahe nicht beschlussfähig gewesen wäre. Mit zwei Stimmen mehr als die Mindesvorgabe war, konnte der Vorsitzende die Sitzung doch noch eröffnen. Peinlich vor allem auch, weil seit dem Märkte-Desaster, den die Mehrheit der Gemeindevertretung zu verantworten hatte, nun bei jeder Sitzung zahlreiche Besucher verfolgen, was in den Sitzungen besprochen wird und auch, wie sich die gewählten Vertreter verhalten.

Es standen (unter anderem) folgende wichtige Themen auf der Tagesordnung:

TOP 2 – Schiedsamtsbezirke Greifenstein I und II hier: Wahl der Schiedspersonen für die Wahlzeit 2015 bis 2020
TOP 3 – Neuwahl von Mitgliedern der Ortsgerichte; hier: Wahl eines Ortsgerichtsschöffen für das Ortsgericht Greifenstein
TOP 6 – Zusammenarbeit in der Wasserversorgung der Gemeinden Sinn, Driedorf, Breitscheid und Greifenstein
TOP 7 – Vorlage des Entwurfs der Haushaltssatzung mit Haushaltsplan und Stellenplan für das Haushaltsjahr 2016 sowie des Investitionsprogramms für den Planungszeitraum bis zum Jahr 2019

Überwiegend die Vertreter der sogenannten „Volksparteien“ der SPD und CDU glänzten durch ihre Abwesenheit. Man nannte sie auch die „Nein-Sager-Fraktion“, weil sie mehrheitlich entgegen des offensichtlichen Bürgerwillens verbissen an der Ablehnung des Baus von Supermarkt mit Discounter im zentralen Ortsteil Beilstein festhielten. Selbst dann noch, als knapp 1.500 unterschiebene Anträge zum Bürgerbegehren vorlagen. Erst ein Bürgerentscheid musste Klärung herbeiführen und nahm den Kommunal-Politikern das Heft aus der Hand.

Beobachter sprechen schon davon, dass bestimmte Vertreter nur erscheinen würden, wenn es auf der Tagesordnung um ihre persönlichen Interessen ginge. Es sei weiterhin auch festzustellen, dass manche unvermittelt Sitzungen verliessen, sei es in den Ausschüssen oder in den Vertretersitzungen, wenn der sie betreffende Tagesordnungspunkt abgehandelt sei.

„Dem Gemeinwohl verpflichtet“ sieht sich offensichtlich nicht jeder und was die Gewissens-Entscheidungen anbelangt, die die Abgeordneten treffen, so scheinen sich diese oftmals an den eigenen Vorteilen zu orientieren.

Diese an den Tag gelegten Verhaltensweisen sind beschämend zu nennen und eine ganz schwache Nummer der (Nicht-)Beteiligten. Das grenzt schon fast an Arbeitsverweigerung. Doch weder Schiedsamtsbezirke, noch Ortsgericht noch der Entwurf des Haushaltsplanes nebst Investitionsprogrammes konnten die „Verweigerungs – Fraktion“ zur Mitwirkung motivieren.

Sehr geehrte Damen und Herren,

und hier richte ich mich ganz besonders an jene von der SPD und CDU, die fehlten: Dieses Verhalten zeigt Ihre Grundhaltung, die Sie nicht nur gegenüber anderen Fraktionen im Gemeinderat haben, sondern es zeigt auch Ihre Ignoranz und Arroganz gegenüber den Wählerinnen und Wählern.

Das einzig Gute, das Sie in den letzten Jahren durch dieses Verhalten erreicht haben, ist, dass die Bürger aller Ortsteile sich nun nicht mehr alles gefallen lassen, sich engagieren und sich wieder mehr politisch engagieren.

Es gab lange genug Klientelpolitik und es wird langsam Zeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und endlich eine bürgenahe und zukunftsweisende Politik zu gestalten, solange die Bürger Ihnen diese Funktionen anvertrauen. Diese sind nämlich Ihre Auftraggeber. Sie sind auf Zeit gewählt und in erster Linie dem Gemeinwohl verpflichtet.

Es ist leider nötig, daran zu erinnern.

Hans-Jürgen Philipps

Unabhängige Liste für Greifenstein

Greifensteiner Projekte: „Lichtwies“ in Haiern lädt zur Rast ein

Schon seit der 700 Jahrfeier im Jahr 2013 sorgen engagierte Rentner und freiwillige Helfer aus Haiern* dafür , dass die Gemeinde Greifenstein ein Stück weit lebenswerter und liebenswerter wird.
(*Haiern war einstmals ein eigenständiger Ort, der mit Beilstein zusammenwuchs und in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts „eingemeindet“ wurde)

Im Rahmen der sog. „Rentnerinitiative-Heimatfreunde-Haiern“ kümmern sich die engagierten Damen und Herren um die Gestaltung und Errichtung von Wander- Rastplätzen und Ruhebänken in und um Haiern, sowie Ausstattung und Aussehen der hiesigen Friedhofshalle. Auch Pflege und Instandhaltung der sanierten Objekte obliegt dem rührigen Team. Sie sorgen auch dafür, das die frei zugänglichen Ruheoasen gepflegt und genutzt werden können. Jeder der bei den Aktionen mitmacht und sein persönliches know-how einbringt ist wichtig und höchst willkommen. Und so freute sich die Heimatfreunde auch immer wieder über „Neuzugänge“ bei dem fast 10 Mann und Frau umfassenden Team. Die fleißigen Rentner wirken ehrenamtlich und meist unbeachtet von der Öffentlichkeit, aber immer zum Wohle von Bevölkerung und Gästen. Motivation ist für sie unter anderem auch die Solidarität der Dorfgemeinschaft, die gerade in ländlichen Strukturen noch ihren Platz findet.

Die Plätze wurden nicht nur dafür geschaffen, damit Menschen über sie hinweg eilen, sondern sie sollen Aufenthaltsqualität bieten und – im besten Falle – gut gestaltete Wohlfühloasen im hektischen Getriebe des Alltags sein.

Nachdem bereits 2013 wurde der neu gestaltete „Haaner- Platz“ in der Ortsmitte des ehemals selbstständigen Ortsteils Haiern eingeweiht wurde, standen im Folgejahr 2014 die Quelle „Meusersborn“ auf dem Programm der Heimatfreunde. In vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurde der Platz von Müllablagerungen und Unrat befreit und zu einer ansprechenden Rast- und Ruheoase für unsere Mitbürger und Wanderer umfunktioniert.

Derzeit nun, kommt das 3. Projekt der Heimatfreunde, „Lichtewies“ unterhalb des Sendemastes (Spargel) zum Abschluss. Dies war das bislang größte und umfangreichste Objekt der letzten Jahre. Galt es doch die Schutzhütte welche bisher eher ein klägliches und vor allem dunklen Dasein fristete, wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und für die Besucher attraktiv zu gestalten. Hierzu musste der ehemals freie Blick über das Dorf wieder hergestellt werden, der im Laufe vieler Jahre von Gestrüpp und Wildwuchs zugewachsen und somit verloren schien. Nur durch großflächige Rodung von Gesträuch und diversen Baumbestand war zu bewerkstelligen die unvergleichlich schöne Aussicht wieder herzustellen.

Diese Aktion fand im Februar 2015 ihren Anfang, und wurde unter Mithilfe des HGV- Beilstein, NABU-Beilstein, Ffw-Beilstein so wie den Heimatfreunden durchgeführt. Doch ein ganz besonderer Dank gilt dem Ortsbeirat und dessen Vorsitzenden Harald Heuser, der die gemeindlichen Gremien für dieses Projekt begeistern konnte diesen Plan zu fördern und durch den Bauhof der Gemeinde zu unterstützen. Bei den anschließenden Planierarbeiten haben uns die fleißigen Helfer des Bauhofs wieder einmal manch sprichwörtlichen „schweren Stein“ aus dem Weg geräumt. Nachdem die Schutzhütte restauriert, gestrichen und das Dach neu eingedeckt ist wird sie mittlerweile von Wanderern und Radfahrern gerne wieder als Rast und Ruheplatz angenommen.

Im zweiten Bauabschnitt ca. 50 Meter unterhalb der Schutzhütte, wurde das 1921 gebaute Wasserreservoir von Dornen und dem Schutt der Jahre befreit, der Wasserauslauf verbreitert und mit heimischem Basalt zu einem kleinen Teich mit kristallklarem Quellwasser umfunktioniert. Auf der kleinen Erhebung am nun nicht mehr genutzten Wasserbassin entstand so eine natürliche Plattform, welche planiert, befestigt und mit einer Ruhebank und Tisch versehen ist.

Jeder der dort einmal Rast gemacht und die Aussicht auf das immer währende Grün der Wiesen und des Waldes, die idyllisch gelegene Burg und das angrenzende Ulmtal auf sich wirken lässt, wird spätestens jetzt verstehen was Natur und Heimatverbundenheit bedeutet. Dieser phantastische Ausblick, Natur pur, bringen die im Alltag geschundenen Sinne wieder in Einklang mit der Natur.

Da der zukünftige Ulmtal-Radweg unmittelbar an diesem idyllischen Plätzchen vorbeiführt, dürfte dieser Hort der Ruhe und Entspannung sicherlich zu einem „High- Light“ des Tages für manchen Radfahrer und Wanderer werden.

Auch die strapazierten Füße können sich bei einer Rast an der „Lichte Wies“ prächtig erholen. Dafür sorgt ein 10 Meter langes und 40 cm tiefes aus heimischen Basaltpflaster gestaltetes Tretbecken, welches mit kühlem Quellwasser gespeist, so manch geschundenen Fuß wieder fit für den weiteren Weg machen wird.

Doch leider trifft das Auge an vielen Orten immer wieder auf lieblos arrangierte Stätten und heruntergekommene Funktionsflächen. Von ihrer einstigen Bestimmung, ein Ort der Ruhe und Kommunikation für Menschen zu sein, sind aufgrund ihrer nüchternen, funktionalen Infrastruktur weit entfernt. Noch viele Begegnungsstätten in unserer Gemeinde haben mehr Aufmerksamkeit verdient – damit aus vergessenen, verwilderten und heruntergekommenen Orten wieder Stätten der Erholung, Entspannung und der Begegnung werden.

Diese Strukturen gilt es zu durchbrechen, und genau dies ist die Motivation welche die Heimatfreunde Haiern anspornt und umtreibt.
Sicher dürfen wir uns auch in Zukunft auf weitere Aktivitäten von dieser rührigen Truppe zum Wohle des Gemeinwesens freuen.
In diesem Sinne, viel Spaß und Freude an den neu gestalteten Einrichtungen und noch eine schöne Zeit.

Verkehrsberuhigung aber wie?

Wem ist das noch nicht passiert! Man kommt aus der Haustüre und möchte noch mal kurz die Straße queren, und da kommt er auch schon angerast, -nein schon eher angeflogen- der Fahrer jenes Autos, dass man nur schemenhaft in den Augenwinkeln wahrnehmen kann.

Ein intuitiver Sprung aus der Gefahrenzone verhindert schlimmeres. Puu.., so ein Idiot, noch mal Glück gehabt. Solche Erlebnisse sind für betroffen Mitbürger prägend und fordert Reaktionen nach Verkehrsberuhigung geradezu heraus. Doch wer die Emotionen beiseite lässt, und sich dem tatsächlichen Problem widmet, wird schnell erkennen, dass der Gesetzgeber vor einem Ruf nach Verkehrsberuhigung manch rechtliche Hürde aufgebaut hat, die es zu nehmen gilt. Nur der Wunsch und die Erlebnisse alleine reichen nicht aus um aus einer innerörtlichen Straßenverlauf in eine verkehrsberuhigte Zone umzuwandeln.

Der nachfolgende Auszug aus der Straßenverkehrsordnung zeigt deutlich was Verkehrsberuhigung bedeutet:

Die Straßenverkehrsordnung nennt fünf Punkte, die es innerhalb des verkehrsberuhigten Bereiches zu beachten gilt:

  1. Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit einhalten.
  2. Fußgänger dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen; Kinderspiele sind überall erlaubt.
  3. Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig, müssen sie warten.
  4. Die Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern.
  5. Das Parken ist außerhalb der dafür gekennzeichneten Flächen unzulässig, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen, zum Be- oder Entladen.

Aber Hand aufs Herz: Wer weiß auf Anhieb, wie schnell Schrittgeschwindigkeit ist?
Antwort: 4-7 km/h. Ja, richtig, vier bis sieben Kilometer pro Stunde!

Diese Geschwindigkeit einzuhalten, ist sicherlich recht schwierig, da sie sich oft am Tachometer nicht ablesen lässt. Aber: Wenn Sie im ersten Gang mit Leerlaufdrehzahl dahin rollen, hat Ihr Fahrzeug die Geschwindigkeitsobergrenze bereits überschritten. Zumindest sollten Sie nicht noch zusätzlich Gas geben!

Die Verkehrsfläche in einem verkehrsberuhigten Bereich steht allen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung („Mischverkehr“). Es gibt hier keine Trennung zwischen Fahrbahn, Seitenstreifen und Gehwegen. Außerdem sind hier Kinderspiele überall erlaubt.

Allerdings muss kein Autofahrer auf ein raumgreifendes Fußballturnier von unter 17-Jährigen gefasst sein. Dreirad und Roller fahren, Fangen spielen oder Seilhüpfen – diese und ähnliche „Klassiker“ für Kinder bis 14 Jahre umfasst der Hinweis auf „Kinderspiele“.

Solche Zonen sind im übrigen nicht die einzige Möglichkeit, Verkehrsberuhigung zu erreichen.

Auch Sackgassen und Einbahnstraßenregelungen gehören zu den klassischen Mitteln zum Zweck.

Die bauliche Ausgestaltung entspricht dem Ziel, den Verkehr wirksam zu beruhigen. Blumentröge und Bänke, Schwellen und sonstige Hindernisse erschweren die Durchfahrt und zwingen jeden zu gemächlicher Fahrt. In der Regel führt das auch dazu, dass nur derjenige durch eine „Spielstraße“ fährt, der dort ein Ziel hat: Anwohner und Besucher, Geschäftsleute und Kunden. Die Straßenverkehrsordnung weist aber ausdrücklich darauf hin, dass ein verkehrsberuhigter Bereich nicht auf den Anliegerverkehr beschränkt ist.

Wer den verkehrsberuhigten Bereich wieder verlässt – was ein rot durchgestrichenes „Spielstraßen“-Schild signalisiert -, sollte allerdings eines auf seinem weiteren Weg mitnehmen: Das Gefühl, auch „draußen“ jederzeit gefasst zu sein auf das höchste Alarmzeichen: einen Ball, der zwischen zwei geparkten Autos auf die Fahrbahn rollt…

Aber auch eine Reduzierung von Innerorts 50km auf 30km bedarf einer Ausnahmegenehmigung und muss triftig begründet werden. Grundsätzlich ist es sicher berechtigt, bei veränderten Voraussetzungen (z. B. mehr Verkehr oder größere Akzeptanz von Tempo 30 in Wohngebieten etc.) solche Entscheidungen erneut auf den Prüfstand zu bringen und ggf. zu verändern.

Allerdings sollte dies innerhalb eines Gesamtkonzepts geschehen, bei dem Vor- und Nachteile und andere zielführende Bausteine untersucht und abgewogen werden und die gesamten Ortsteile befragt werden.
Dazu wären folgende Konsequenzen und Erfahrungen aus anderen verkehrsberuhigten Maßnahmen in Betracht zu ziehen – denn: das alleinige Anbringen von Verkehrsschildern reicht erfahrungsgemäß nicht aus, sondern muss von begleitenden Maßnahmen wie Verengungen durch Parken auf der Straße und sonstige Rückbauten ergänzt werden, um eine tatsächliche Geschwindigkeitsreduzierung zu erzielen.

Ungeachtet davon, sollte sich jeder Verkehrsteilnehmer in einer stillen Stunde ganz generell einmal die Frage stellen, warum so schnell, warum so viel Risiko, was bringt mir das letztendlich ?

Carpe diem, nutze den Tag! Doch heute bedeutet es, nutze den Tag, möglichst schnell und schneller, denn schneller ist besser. Dalli-Dalli ist das Motto bei der Arbeit, beim Sport, oder in der Zeit zwischen den Terminen. Wer zu spät kommt, wird bestraft. Aber wer zu schnell ist, ist schneller tot als der Langsame. Ein Plakat am Straßenrand, welches für angemessene Geschwindigkeiten wirbt, zeigt ein Holzkreuz am Straßenrand mit der Bildunterschrift: „Jetzt überholen ihn die anderen.“

Der Tempowahn hat Schattenseiten, nicht nur am Straßenrand. Stress, Unruhe und Erkrankungen zwingen viele Menschen zur ungewollten Auszeit. Im Würgegriff der Zeit wird Zeitnot zur Belastung. Jedoch stößt man bei vielen Zeitgenossen zu den oben beschriebenen Verkehrs und Verhaltensregelungen auf taube Ohren und es steht zu befürchten das die Vernunft und Einsicht dieser Mitbürger, zur Teilnahme an einer allgemeinverträglichen Verkehrsteilname wohl dauerhaft, im wahrsten Sinne des Wortes, auf der „Strecke“ bleiben wird, und nur durch restriktive Maßnahmen eine Verhaltensänderung herbeigeführt werden kann.

In diesem Sinne, erst Hirn und dann Motor einschalten und allzeit gute Fahrt!