Feuerwehr Rodenberg: Weg frei gemacht für Bau des Gerätehauses

Mit unserem Antrag an die Gemeindevertretung, den Sperrvermerk zum Bau des Feuerwehrhauses in Rodenberg aufzuheben, haben wir den Weg dafür frei gemacht, dass es jetzt zügiger und reibungsloser vorangehen kann.

Die Rodenberger haben wirklich alles Mögliche unternommen und großes Engagement bewiesen. Viele Jahre wurde im Ortsteil Rodenberg nichts investiert. Es war an der Zeit, nach den langwierigen Diskussionen, dass der bereits getroffene Beschluss zum Bau auch zeitnah umgesetzt werden kann. Wir befanden, dass es ein Fehlentscheid war, hier mit einem Haushalts-Sperrvermerk, das notwendige Projekt weiter zu komplizieren und damit zu verzögern. Den Antrag, lediglich die Planungskosten i.H.v. 25.000 Euro freizugeben, lehnten wir ab und erreichten anschließend eine Mehrheit zur kompletten Aufhebung der Sperre.

Das ist eine positive Entscheidung, finden wir. Gerade bei dieser Abstimmung haben einige Vertreter nicht nach ihrer Parteilinie, sondern nach ihrer persönlichen Überzeugung und aufgrund von Argumenten abgestimmt.

Wir als Unabhängige Bürgerliste werden uns weiter für unabhängige und bürgernahe Politik einsetzen und uns hierfür um Mehrheiten im Gemeindeparlament bemühen.

Oktoberfest der Feuerwehr Greifenstein unter guten Vorzeichen

Zuerst war das nicht absehbar, denn das wichtigste Gremium der Gemeinde hatte die Feuerwehr-Situation zuerst überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Doch die Zeit drängte und eine Entscheidung war überfällig. Es drohte einerseits der Verfall von erheblichen Fördermitteln durch die Verstreichung von Fristen, andererseits war auch der Unmut bei den Feuerwehr-Kameraden erheblich und es zeichnete sich eine aus unserer Sicht unnötige Eskalation ab. Unnötig deshalb, weil der Bau des neuen Gerätehauses notwendig ist und seit Monaten keine belastbaren Zahlen für eine günstigere Variante auf den Tisch kamen, die einen weiteren Aufschub gerechtfertigt hätten.

Die ULfG hatte mit ihrem Dringlichkeitsantrag dafür gesorgt, dass es beim Bau des neuen Feuerwehrhauses im Ortsteil Greifenstein jetzt doch vorangehen kann.

Endlich und trotz erneuter Diskussionen und Einwänden, gewann in der letzten Gemeindevertretersitzung letztlich Vernunft die Oberhand. Der Sperrvermerk zum Bau des Feuerwehrgerätehaus in Greifenstein, wurde nach dem Dringlichkeitsantrag der ULfG aufgehoben, so dass jetzt konkret mit den ersten Schritten begonnen werden kann. (*Artikel der WNZ dazu siehe unten)

Unter guten Vorzeichen sollten die jetzigen Feierlichkeiten somit stehen. (Die Freiwillige Feuerwehr Greifenstein läutet am 30.September 2017 ab 19Uhr mit einem „Warm-Up“ das diesjährige Oktoberfest am DGH ein. Das Oktoberfest wird dann am 1.10.2017 ab 11Uhr gefeiert).

Doch die Kameraden sind mittlerweile skeptisch geworden. „Wir glauben es erst, wenn die Bauarbeiten wirklich losgehen“, sagte uns gegenüber ein Feuerwehrmann und verwies auf die Erfahrungen der letzten Jahre. Doch die jetzige Entscheidung und das Aufeinander-Zugehen, dass jetzt auch durch eine laufende Mediation mit den Feuerwehren stattfindet, lässt hoffen.

Mediator eingeschaltet

Der jetzt vorgelegte Bericht des externen und neutralen Mediators Herrn Dr. Lankau zeigt deutlich auf, welche Probleme zwischen Feuerwehr und Teilen der Politik sich im Laufe der letzten Jahre aufgestaut und manifestiert haben. Dies ist aus Sicht der ULfG eine äußerst gefährliche Entwicklung, die sich destruktiv auswirken kann. Auch die Art und Weise, wie mit dem Sicherheitsanspruch der Bürger und den der Feuerwehr übertragenen Aufgaben in der Vergangenheit umgegangen wurde, ist schon fast fahrlässig zu nennen.

Frust sitzt tief

Der Frust der Freiwilligen sitzt tief und spiegelt sich in den Aussagen der Kameraden wider. Haltung und Zusammenarbeit von Feuerwehr, Verwaltung und Politik findet faktisch nicht mehr statt. Was sich darin wiederspiegelt ist, dass das Amt des Gemeindebrandinspektors seit Monaten vakant ist. Auch die Stellvertreter wollten und konnten so nicht mehr. Innerhalb der Feuerwehren besteht unter den derzeitigen Rahmenbedingungen keine Bereitschaft zur Besetzung dieses Ehrenamtes. Selbst Massenaustritte seien nicht mehr ausgeschlossen, wenn seitens der Politik weiterhin die Bedeutung und Wichtigkeit der Feuerwehren nicht erkannt werde.

Situation ist nicht im Sinne der Wehren – Gemeinsamkeit suchen

Dies, so die einhellige Meinung des Wehrführerausschusses, sei nicht im Sinne der Wehren und würde auch keine Unterstützung durch die Verantwortlichen finden. Es gelte jetzt das Gemeinsame, nämlich den Schutz der Gemeinde Greifenstein, wieder in den Fokus des kollektiven Handelns zu stellen, und auch bei diesem Thema eine Blockadepolitik der beiden Parteien (SPD/CDU) zu beenden. Hierzu haben die Wehrführer klare Ziele und Aufgaben definiert, die es nun gelte in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wir können nur hoffen, dass bei allen Beteiligten endlich Vernunft, Sachlichkeit und die Bereitschaft zum gemeinsamen Handeln wieder in den Vordergrund rücken, um auch zukünftig den Brandschutz und die Sicherheit der Menschen in unserer Gemeinde zu gewährleisten.

Stell dir vor es brennt – und keiner geht hin

Die Folgen des demografischen Wandels sind auch in unserer Gemeinde deutlich spürbar, immer weniger Kameraden müssen die vielfältigen Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr stemmen. Dies birgt zwangsläufig Frustrationspotential in den Reihen der ehrenamtlichen Helfer.

Der Unzufriedenheit unter den Freiwilligen gilt es seitens der Politik entgegenzusteuern. Daher sehen wir als ULfG das aktuell angestrebte Meditationsverfahren als sinnvollen Weg die Probleme zu analysieren und gemeinsam aufzuarbeiten. Diese umfangreiche Aufgabe kann letztlich nur mit gutem Willen und Engagement aller Beteiligten gelöst werden kann.

Wer sich für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr entscheidet, ist sich bewusst, dass es keine Ausreden gibt.

Ein Kamerad ist „allzeit bereit“! Deswegen ist es wichtig, dass Politik die Arbeit des Ehrenamts unterstützt und wertschätzt. Aber nicht nur Einsätze, sondern auch Schulungen, Übungen und Versammlungen fordern die Freizeit der Ehrenamtlichen in nicht geringen Umfang. Es ist nicht neu, dass Feuerwehrleute keine Leistungen für Dienste oder Ausbildung erhalten, zusätzlich übernehmen sie auch noch Hausmeistertätigkeiten und Renovierungsarbeiten in Eigenleistungen.

Die Freiwillige Feuerwehr ist eben weniger eine Freizeitbeschäftigung, sondern vielmehr eine Aufgabe fürs Leben im Dienste für die Gemeinschaft.

Deshalb darf aus unserer Sicht ein Feuerwehrgerätehaus nicht nur als eine Investition zur Sicherstellung des Brandschutzes gesehen werden, sondern auch als eine Einrichtung zur Stärkung der Dorfgemeinschaft. Nur so kann sichergestellt werden, dass Rodenberg und Greifenstein auch zukünftig einen Mittelpunkt haben, den eine intakte Dorfgemeinschaft dringend benötigt.

Deshalb erteilt die ULfG allen Zentralisierungsabsichten eine klare Absage und unterstützt uneingeschränkt die Selbständigkeit und Ausstattung der Ortsteilwehren.

„Wohin gehst Du Mohammad?“

Ziemlich genau ein Jahr nachdem die achtköpfige syrische Flüchtlingsfamilie in Greifenstein-Beilstein eine Unterkunft bekam, verlässt sie uns nun wieder. Es ist viel passiert in diesen zwölf Monaten.

 

Bis auf den Kleinsten haben die Kinder die Schule oder den Kindergarten besucht und Deutsch erstaunlich schnell gelernt. Bis heute immerhin soweit, dass sie sich recht gut verständigen können. Sie haben im Dorf Gleichaltrige zum Spielen gefunden und auch Kontakt zu anderen syrischen Familien in der Nähe aufbauen können. Nachbarn und Freiwillige haben sie nicht nur im Alltag und beim Lernen unterstützt. Auch allgemeine Beratungen in Behörden-Angelegenheiten und Hilfe beim Verstehen von amtlichen Schreiben standen zur Verfügung. Es wurde ihnen viel Sympathie entgegengebracht, was unter anderem auch daran liegt, dass sie alle acht freundlich, offen und sehr bemüht sind.

Die Eltern Najwa und Mohammad haben sich rasch im Alltag zurechtgefunden, Mohammad absolvierte einen Integrationskurs. Sie haben nach anfänglichen Orientierungsproblemen schnell ihr Leben eigenständig zu organisieren gelernt. Den Fahrplan der öffentlichen Verkehrsmittel kennen sie sicherlich jetzt besser als mancher Einheimischer.

Nun, nachdem sie nicht mehr „Asylsuchende“, sondern anerkannte Flüchtlinge sind, haben sie sich entschieden. Sie wollen in die Kreisstadt Wetzlar ziehen, in den Ortsteil Hermannstein. Auch die anderen syrischen Familien, die in Greifenstein aufgenommen wurden, kehren nun der Gemeinde den Rücken. Die meisten gehen nach Wetzlar und nach Dillenburg. In die Kreisstädte zieht es sie alle. Bevor ihre Häuser und Wohnungen in Syrien zerbombt wurden, ein normales Leben und eine gute Zukunft für sie und ihre Kinder nicht mehr vorstellbar waren, lebten sie auch zuvor in Städten oder Stadtnähe.

„Ich wäre gerne hier in Beilstein geblieben!“ sagt Mohammad, der gerade den deutschen Führerschein macht. Die Greifensteiner Fahrschule sei gut – und überhaupt hätte er nur Positives vom Dorf zu berichten. Er würde sich ein Auto kaufen und sei ja bald mobil, so hofft er zumindest.

„Aber was soll meine Frau mit den 6 Kindern in Greifenstein machen?“  Wenn er sich um Arbeit bemühen würde und bald eine feste Stelle hätte, wäre es für Frau und Kinder schwierig im Dorf. Denn dann ist er samt Auto und Führerschein für die Familie nicht mehr verfügbar.

„Es gibt ja noch nicht mal einen Supermarkt in der Nähe, wir müssen für alles fahren.“ Und das würde sehr viel Zeit verbrauchen. Auch eine gute Auswahl an Weiterbildungskursen für die Ehefrau und die Kinder gäbe es nur in der Stadt. „Ich würde wirklich gerne hierbleiben.“ betont er noch einmal, denn die Landschaft sei schön, die Luft gut, es sei ein sicheres Leben, es gäbe keine Kriminalität und die Leute seien wirklich sehr freundlich.

„Aber der Familienrat hat mich überstimmt!“ Sechs der acht Familienmitglieder seien für den Wegzug in die Stadt gewesen, wobei der Kleinste „Rawad“ mit seinen zweieinhalb Jahren seine einzige Unterstützung gewesen sei, sagt er augenzwinkernd, denn sein kleiner Sohn, der den Spitznamen Lulu hat, würde sowieso alles gut finden, was Papa sagt.
Besonders die große Tochter Rana und sein ältester Sohn Rayan wollen in die Stadt.

„Hier ist nichts los, wir kommen hier nicht weiter.“ sagt Rayan und die 14-jährige Rana ergänzt: “In Greifenstein gibt es nicht die Kurse, die ich brauche, die in Wetzlar angeboten werden. Ich will mich unbedingt weiterbilden.“ Für Mutter Najwa ist ein wichtiger Punkt die Nähe zu den Behörden und der einfachere Einkauf. „Für mich wird das Leben leichter. Das geht alles ohne stundenlange Busfahrten. Teilweise zu Fuß.

Nach den Unterhaltungen mit den anderen Greifensteiner Flüchtlingsfamilien hat man im Dezember den Entschluss gefasst, nach Wetzlar zu ziehen. Vier Familien, die in Beilstein, Odersberg und Nenderoth untergebracht waren, werden jetzt nach erfolgter Anerkennung als Flüchtlinge und somit Änderung des Status in die Kreisstädte Wetzlar und Dillenburg ziehen.

Das alles spiegelt einmal mehr die grundsätzliche Problematik der Landgemeinden wider. Denn wenn es den Kommunen nicht möglich ist, für den Zuzug von Familien interessant zu sein, nützen auch niedrige Immobilienpreise nichts. Wenn das Leben für Familien zu aufwändig und zu schwierig zu gestalten ist, weil einfach die Infrastruktur zu schwach ist oder in Teilen sogar ganz fehlt, dann wird der Vorteil der Stadt immer weiter in den Vordergrund rücken. Der Kollaps der Zentren und das Ausbluten strukturschwacher Regionen ist keine neue Tendenz. Aber man kann gegensteuern.

Die Attraktivität eines Lebens auf dem Land lässt sich nur durch eine „In-Wert-Setzung“ steigern.

Gute Luft und schöne Natur allein können nicht in Wert gesetzt werden, wenn diese nicht in Konzepte zur Freizeitgestaltung in Verbindung mit dem Vorhalten grundlegender Infrastruktur eingebunden sind. Erst dann kann eine Gemeinde wie Greifenstein überleben. Das eine hängt notwendig am anderen.

Angefangen von Arbeitsplätzen bis hin zur medizinischen Versorgung:
Ohne ausreichende Angebote und eine hinlängliche Versorgungsstruktur wird die Gemeinde für den Zuzug von Ärzten und Firmen genauso uninteressant sein wie für das Niederlassen von neuen Familien. Selbst die angestammte, aber älter werdende Bevölkerung wird gezwungen sein, Greifenstein den Rücken kehren, wenn das Alltagsleben auf dem Land zu umständlich und mühevoll wird.

Wir müssen unseren kommunalpolitischen Spielraum auf allen Ebenen effektiv nutzen, um die Gemeinde lebenswert und zukunftsfähig zu machen, um einer Entvölkerung noch entgegen zu wirken und letztlich eine Unfinanzierbarkeit ihrer Pflichtaufgaben zu verhindern.