Bürgerentscheid: Zur „Wahlempfehlung“ der Vereine aus Ulm

Vertreter der Vereine aus Ulm haben in ihrem Schreiben von Ende Januar ihren Mitgliedern zur Erhaltung des Einkaufsstandortes Holzhausen empfohlen, am 22.03.2015 beim Bürgerentscheid mit „Nein“ zu votieren. Der Vereinsring Ulm versucht nun auch die Allendorfer Vereine sich dementsprechend zu positionieren.

Die Solidaritätsbekundung mit dem Standort Holzhausen ist sicher nachvollziehbar und lobenswert, fraglich ist allerdings, ob es durch eine Abwehr weiterer Einkaufsmöglichkeiten in der Großgemeinde tatsächlich zu einer dauerhaften Sicherung des Einkaufsmarktes in Holzhausen kommen wird. Bei allem Wohlwollen für den Einkaufsmarkt in Holzhausen wird es diesem eher schaden als nützen, wenn Wettbewerbsvielfalt verhindert wird. Eine Einkaufsmöglichkeit für 10 Ortsteile heißt nicht zwingend, dass dieser Markt dann besonders stark frequentiert wird, ganz im Gegenteil, das Einkaufsverhalten der Bürgerinnen und Bürger fordert eine Vielfalt eines Marktangebotes, dies bedeutet die Vielfalt wird in anderen Orten gesucht und dies heißt, das Gros des Umsatzes für Waren des täglichen Bedarfs wird vor den Toren der Großgemeinde Greifensteins generiert.

Derzeit lebt das Einkaufsverhalten der Menschen von Wechselwirkung und Synergieeffekten. Dies ist auch der Grund, warum ein Investorenangebot nur für eine Kombi-Lösung vorhanden ist und nicht für einen weiteren Einzelmarkt. Von einer solchen Wechselwirkung könnte auch der Standort Holzhausen profitieren, wenn der Markt sich entsprechend positioniert. Dann hätten wir in unserer Großgemeinde eine Vielfalt von Angeboten, die eine Einkaufsabwanderung in andere Gemeinden erübrigen würde. Es gibt für beide Standorte inklusive einer Kombinationslösung im Ortsteil Beilstein ein Potenzial, wenn wir alle unser Einkaufsverhalten entsprechend abstimmen.

Lediglich einen einzelnen Discounter in Beilstein zu bauen, um den Markt in Holzhausen zu sichern, wie als Vorschlag auch bei den Vereinen zu lesen war, kann aufgrund der Gemeindevertreter-Entscheidung vom 20.10.2014 nicht stattfinden. Im Gegenteil, es wurde sogar beschlossen, die zukünftige Errichtung eines Disocunters auszuschließen! Wörtlich: „Die Formulierung und ggfs. Erweiterung des Standorts um einen Discounter in 2017 ist zu streichen.“ Das bedeutet, bei einem von den Vereinen angestrebten „Nein“ beim Bürgerentscheid wird auch künftig kein Dicounter gebaut werden können!

Es gelingt anderen Ortschaften mit weit weniger als knapp 7.000 Einwohnern drei und mehr Lebensmittelmärkte anzubieten und am Laufen zu halten, warum sollte dies bei uns nicht möglich sein?

In dieser Lösung ist auch alles andere als eine „Kaufkraftüberbuchung“ zu sehen. Fakt ist, dass wir derzeit ein zu geringes Marktangebot in der Großgemeinde haben und eine Attraktivitätssteigerung in dieser Hinsicht dringend nötig ist. Das Unwort „Kaufkraftüberbuchung“ besagt nichts anderes als ein rein statistisches Zuviel an Warenangeboten, aber – mit Verlaub – muss der mündige Bürger wirklich vor zu vielen Einkaufsmöglichkeiten geschützt werden? Oder liegt es nicht vielmehr in seiner Entscheidungsfreiheit, wann, wie und wo er einkauft.

Sicher bestehen Ängste, dass der Markt in Holzhausen ein Opfer des Kombi-Standortes Beilstein werden könnte. Aber wer kann mit Sicherheit sagen, wie sich das Einkaufsverhalten weiter entwickeln wird? Vielleicht rechnet sich ja auch auf Dauer gesehen der Standort Beilstein nicht und es ergeben sich ganz andere, neue Einkaufs- und Vertriebswege. So wäre sicher vor einigen Jahren das Ansinnen einer Kombination von Discounter und Vollsortimenter an einem Standort undenkbar gewesen, jetzt wird darin eine Chance gesehen. Geschäftsmodelle und Märkte verändern sich eben.

Wir haben nichts zu verlieren und können mit der großen Lösung Holzhausen und Doppelstandort Beilstein insgesamt nur gewinnen. Schaffen wir doch die Möglichkeiten, so dass potentielle Investoren nicht abgeschreckt, sondern unterstützt werden und sich so überhaupt etwas entwickeln kann und Greifenstein ein Stück weit attraktiver wird.
Ein vielschichtiges Einkaufsangebot wirkt sich im Übrigen auch auf die notwendige Außendarstellung unserer Gemeinde im Hinblick auf zu bewerbende, potenzielle Neubürger und Touristen aus. Eine Werbung mit: „ Mir henn nix und mer wollet nix“, um´s mal schwäbisch auszudrücken, ist da sicher nicht zielführend.

Eine Großgemeinde mit 10 Ortsteilen hat es nicht einfach und wird auch zukünftig vielen Herausforderungen gewachsen sein müssen. Es ist daher völlig kontraproduktiv sich rein ortsteilspezifisch zu verhalten. Greifenstein -und damit wir alle- haben nur eine Chance die immer größer werdenden Probleme zu bewältigen:
Gemeinsam, miteinander und nicht gegeneinander. Wir sollten nicht ängstlich ( Angst war übrigens immer schon ein schlechter Berater ) sondern mutig über den Tellerrand und in die Zukunft blicken und entsprechend handeln.

Daher:
Ja, für den Kombi-Standort in Beilstein; Ja, für den Erhalt des Marktes in Holzhausen; Ja, für ein zukunftsfähiges, attraktives Greifenstein;
Mit Ja stimmen, am 22.03.2015 beim Bürgerentscheid!