Ulmbachtalsperre – wichtig für Greifenstein

Der Bau war einst umstritten. Noch Anfang der 1960er Jahre wurde um das Projekt Ulmbachtalsperre in den politischen Gremien von Kreis, Regierungspräsidium und dem Land Hessen heftigst gerungen. Auch von der „Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz und Landschaftspflege“ wurden seinerzeit schwerwiegende Bedenken geäußert. Entsprechende Zeitungsartikel und Stellungnahmen aus dieser Zeit belegen das „Gezerre“ um die Bauentscheidung – Hochwasserrückhaltebecken ja, Talsperre nein – die Fachgremien konnten sich dann letztlich doch einigen.

Für die Bewohner der Ulmtaldörfer war klar, dass zum Schutz ihrer Häuser, Wiesen und Felder dringender Handlungsbedarf bestand. Richteten die regelmäßig auftretenden Ulmbachhochwasser doch enorme Schäden an.

Ende 1963 fällt der Startschuss

Der erste Eintrag im „Bautagebuch der Ulmbachtalsperre“, datiert auf den 15.11.1963, lautet: „Wegen starkem Regen noch keine Aufnahme der Bauarbeiten“. Eine Woche später trat der Bach wieder über seine Ufer.

Allein schon dieser Eintrag bei Baubeginn machte deutlich, warum das Projekt Ulmbachtalsperre nun in die Tat umgesetzt werden musste.

Den Bauarbeiten voraus gegangen waren umfangreiche Rodungsarbeiten am waldseitigen Steilufer des Areals. In harter Handarbeit wurden die gefällten Bäume am Steilhang, meist mit Drumsägen, zersägt und das Meterholz über den Bachlauf zu den bereitstehenden Fuhrwerken getragen. So konnten viele, meist Holzhäuser Bürger, kostengünstig aber sehr mühevoll für ihren Winterbrand sorgen.

Grundsteinlegung Juli 1964

Nach umfangeichen Vorarbeiten wurde im Rahmen einer kleinen Feierstunde am 24.07.1964 die Grundsteinlegung vorgenommen.

Nach etwa zwei Jahren Bauzeit konnte der Protokollführer des Bautagebuchs vermerken: „29.06.1966 – Erreichen des Sommerdauerstaus von NN + 273,00m“.

Während des Baufortschritts mussten mehrfach Geldmittel nachgefordert werden. Trotzdem konnte bei kürzerer Bauzeit die Gesamtmaßnahme mit 8,5Mio. D-Mark abgeschlossen werden. Kreis und Ulmbachverband übernahmen 5%, Bund und Land jeweils 47,5 % der Baukosten.

Die offizielle Bezeichung des Bauwerks lautet übrigens: „Hochwasserrückhaltebecken mit Dauerstau“ – mit dem Charakter einer Talsperre. Diese sperrige Bezeichnung interessiert die Bürger nicht wirklich, für die Greifensteiner ist es einfach „die Ulmtalsperre“.

Erholung und Badespaß

Bereits vor Erreichen der endgültigen Sommerstauhöhe und der amtlichen Freigabe ließen es sich viele Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Dörfern nicht nehmen, den neuen Badesee ausgiebig zu testen.

Auch der neue „Rundweg“ wurde oft als Ziel für die damals noch häufig praktizierten Sonntagsspaziergänge ausgewählt.

So fand die neue Ulmbachtalsperre nicht nur Akzeptanz als „Hochwasserschutzanlage“, sondern sie ist seit dem auch für die Region eine feste Größe für Menschen die dort Erholung suchen und ihren Freizeitbetätigungen nachgehen wollen.

Camping und Gastronomie

In der reizvollen und geschützten Lage der Ulmtalsperre und des angrenzenden Wiesengrunds entstand schon bald eine Anlage für Campingfreunde und ein Gasthaus. Seit vielen Jahren wird der Campingplatz von der Familie Weller bewirtschaftet. Die Ser-viceleistungen für die Campinggäste wurden Jahr für Jahr in sehr guter Qualität ausgebaut. Ihnen stehen heute hervorragend ausgestattete Sanitärgebäude, die Versorgung mit Gas, WLAN, ein täglicher Brot- und Brötchenservice und vieles mehr zur Verfügung.

Die Pfege der Anlage erfordert einen sehr hohen Personal- und Maschineneinsatz und ist, gerade in der Sommersaison, eine stetige Herausforderung für die Betreiber. Dazu gehört auch die Pflege und Reinigung der Liegewiese, damit sich die Badegäste dort wohlfühlen können.

Etwa 300 Campingstellplätze stehen für Dauercamper und Feriengäste zur Verfügung. Mit den bunten kleinen Holzhütten, den Woody Tramp Campinghütten, wurden komfortable Übernachtungsmöglichkeiten für Wanderer, Biker und Besucher geschaffen.

Das „Wirtshaus am Ulmbach“, so der Name des nach gründlicher Renovierung zum 1. April 2010 wiedereröffneten Gasthauses, wird von Ingelore Frank und ihrem Team bewirtschaftet.

Camper, Tagesgäste, Wanderer, Biker und Familien die dort gemütlich feiern möchten, alle sind herzlich im Gasthaus willkommen.

Hausgemachte gutbürgerliche Gerichte, weitgehend unter Verwendung von Produkten aus der hiesigen Region, werden den Gästen in der Gaststätte und auch im angrenzenden Biergarten serviert. Deftige Brotzeiten, Kaffee und Kuchen sowie ein Catering- und Lieferservice gehören ebenso zum Leistungsangebot des Wirtshauses.

Der Biergarten ist gerade an Sommerabenden ein beliebter Treffpunkt um einen Dämmerschoppen zu genießen.

Bedeutung für Greifenstein

Für den im Rahmen der Dorfentwicklung geplanten stärkeren Ausbau der Gemeinde Greifenstein als Tourismusstandort, ist die Ulmbachtalsperre von hoher Bedeutung. Die geschaffene Anbindung an den neuen Ulmtalradweg unterstreicht die Wichtigkeit, unsere Tourismusangebote noch stärker miteinander zu vernetzen und aktiv zu bewerben.

Der Ulmtalradweg – ein Gemeinschaftsprojekt

„Balkan-Express“ prägt Ulmtal

Die Bahnstrecke Stockhausen / Beilstein wurde in 1924 in Betrieb genommen und Anfang der 1980er Jahre endgültig stillgelegt. Die Mobilität hatte sich von der Schiene auf die Straße verlagert. Bis dahin war für viele Menschen im Ulmtal der Schienenbus, liebevoll „Balkan-Express“ genannt, ein unverzichtbares Transportmittel um die Regionen Wetzlar, Gießen und Weilburg zu erreichen. Dort gab es u.a. Arbeitsplätze, Schulen, Ärzte, Krankenhäuser, sowie vielfältige Einkaufsmöglichkeiten.

Hauptgrund für den Bau der Bahn war aber sicherlich die im ganzen Ulmtal geförderten Rohstoffe wie Basalt, Ton, Eisenerz und auch Holz schnell und kostengünstig ins ganze Land – und darüber hinaus – zu trans-portieren. Die Rohstoffgewinnung bot noch bis etwa Mitte der 1960er Jahre für mehrere hundert Ulmtaler, meist Bruch-arbeiter und Bergleute, eine auskömmliche ortsnahe Beschäftigung.

Radweg Lahntal – Westerwald

Nach einem fast 30 Jahre dauernden „Dornröschenschlaf“ wurde der alten Bahnstrecke wieder neues Leben eingehaucht. Es gab einige Ideen zur künftigen Nutzung der Strecke. Durchgesetzt hat sich letztlich der Bau eines Radweges, der das Lahntal mit dem Westerwald verbindet. Dabei handelt sich um ein gutes Beispiel für ein gemeinsames Projekt, wo Bürgermeister mit Vorstand und Gemeindevertretung mehrheitlich an einem Strang ziehen. Unterstützt durch die ehrenamtliche Mitarbeit der betroffenen Ortsbeiräte, interessierter Vereine und Bürger erfolgt die bauliche Umsetzung durch Fachfirmen und den gemeindlichen Bauhof.
Zu realisieren war das ganze Projekt letztlich nur durch einen sehr hohen Förderanteil des Landes Hessen. Wenn alle Planungen zeitgerecht umgesetzt werden können, soll die Gesamtstrecke bis hoch zum „Knoten“, mit der Anbindung an den überregionalen Radweg „R8“, in 2017 fertiggestellt sein.

Leider wäre aber das Projekt „Ulmtalradweg“ fast ein „Stückwerk“ geworden, weil die benachbarte Stadt Leun das erste Teilstück nicht ausbauen will. Hier ist glücklicher Weise durch die privatwirtschaftliche Initiative des „Outdoor-Centers“ ein akzeptable Lösung gefunden worden. Sonst hätten sich die Radler auf einem fast 2 km langen Teilstück der Landstraße den Gefahren des öffentlichen Autoverkehrs aussetzen müssen.
Es wird sich zeigen, dass diese Ausgaben für den Bau eine Investition in die Zukunft bedeuten und zwar mit erheblichem Potenzial. Welche positive Wirkung der Weg entfaltet, kann man daran erkennen, wie sehr er bereits jetzt, schon vor der Fertigstellung, genutzt wird.

An der Diskussion darüber, wer denn der Urheber für dieses Projekt sein will, beteiligen wir uns nicht. Eine alte Bahntrasse einer solchen Nutzung zuzuführen, ist schließlich keine neue Idee. Eine solche „In-Wert-Setzung“ bot sich aber geradezu an. Die Bahnstrecken von Driedorf nach Rennerod bzw. nach Herborn werden schon seit vielen Jahren erfolgreich als Radweg genutzt.

Chance für Greifenstein

Es steht unserer Gemeinde mit ihren vielen Ortsteilen gut zu Gesicht, dass jedes an der Strecke befindliche Dorf mit viel ehrenamtlichem Engagement wichtige Beiträge leistet. Somit das Gemeinsame fördert, anstatt das Trennende hervorzuheben. So wie einst der „Balkan-Express“ ein Bindeglied für die Dörfer des Ulmtals war, so kann heute der „Ulmtalradweg“ eine wichtige Grundlage für die touristische Belebung unserer Gemeinde sein. Viele Gäste werden Greifenstein über den Radweg kennen lernen. Mit dem bei uns zur Verfügung stehenden Angebot an Naherholung und Freizeitgestaltung bieten sich neue Chancen, insbesondere auch für die heimische Gastronomie.

Gutes Marketing unverzichtbar

Die ULfG regt an, dass alle verantwortlich am Projekt Beteiligten, besonders Bürgermeister und Verwaltung, nachhaltig alles im Rahmen ihrer Möglichkeiten unternehmen um die touristische Vermarktung des Ulmtalradweges nach Kräften vorantreiben. Die kommunalpolitisch Verantwortlichen sind gefordert dieses Vorhaben mit geeigneten Beschlüssen zu ermöglichen.